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“No one belongs here more than you.”

In dem neuen Buch von Miranda July wird das Thema Menschlichkeit auf ganz besondere, modern poetische und zugleich bodenständige Weise beleuchtet.

“No one belongs here more than you.” - Hätte man einen schöneren Titel für ein Buch finden können? Vor allem, wenn es darin um Menschen geht, die gerade in ihrer individuellen Andersartigkeit und mit ihren spezifischen Besonderheiten so nah an einem selbst stehen. July widmet sich der Essenz des menschlichen Seins auf dieser Erde und in der Gesellschaft derart, dass es stellenweise fast erschreckend ist, wie schnell die Geschichten ihrer fiktiven Charaktere einen mitreißen, wie intensiv sie einen eintauchen lässt in die Gedanken ‘anderer’.

Dabei legt July ein ganz besonderes und feines Gespür für Zwischentöne an den Tag und bleibt trotz aller Skurrilitäten authentisch, was zum Teil auch an der Erzählperspektive (meist eine Ich-Erzählsituation) liegen mag. So schafft sie es stets, dass der Leser sich unweigerlich in die Gedanken des Erzählenden gezogen fühlt. Mit stillen Pointen setzt sie Akzente, die einen berühren. Sie macht auf kleine Besonderheiten aufmerksam und lässt sich auf die Widersprüche ein, die in einem jeden von uns stecken. Auf fast schon liebevolle Weise werden so in diesen sechzehn Kurzgeschichten Charaktere, Menschen, präsentiert, die nicht an vorderster Front im öffentlichen Leben stehen, die in sich gekehrt sind, meist Monologe führen, die von sich erzählen, die anders sind, und doch so nah an einem selbst. Auch wenn sie menschliche Widersprüche und Makel aufdeckt, verurteilt sie diese nicht. Stattdessen zeigt sie, dass diese Teil von uns Menschen sind, dass man sie akzeptieren kann und sie uns vielleicht sogar auf die eine oder andere Weise individuell auszeichnen.

“No one belongs here more than you” ist ein Stück post-postmoderne amerikanische Literatur. So wird darin nicht nur ein ambivalentes Verhältnis zwischen Selbst und Umwelt sichtbar gemacht, sondern auch eine innere, persönliche Zerrissenheit spürbar, wie sie vielleicht nur in einer postmodernen Gesellschaft erwachsen kann. So stellt July den Leser vor Kurzgeschichten, die differenzierte Charakterstudien mit einem ganz eigenen poetischen Stil verbinden und bleibt dabei dennoch erstaunlich nah am Leben. Vielleicht sogar näher an der individuell empfundenen Realität eines jeden als es so mancher Autor des Realismus je geschafft hat. Es hat den Anschein als fokussiere July sich gerade auf die inneren Aspekte der Menschen, zumindest aber der von ihr erschaffenen Charaktere, auf das, was sie wirklich antreibt. Diese Annahme deckt sich mit der Tatsache, dass sie auch in ihren Kunstprojekten stets das Augenmerk auf innere Widersprüche und individuelle, innere Auseinandersetzungen richtet. Indem sie diese aufspürt und zu Tage bringt, liefert sie gleichzeitig Zeugnisse der Gegenwartskultur. Sie geht aber noch darüber hinaus und stellt sich die Frage, wie man diese inneren Strukturen beeinflussen kann oder spielt zumindest mit den Gedanken über Veränderungsglauben und Erwartungen. Sie zeigt immer wieder menschliche Makel auf, tut dies aber stets mit der Wahl einer reflektierenden Perpektive. Selten gibt sie dabei Wertungen ab, die Notiz der Gedanken allein ist meist schon ein Kommentar, den man kaum in seiner Evidenz übertreffen kann.

“No one belongs here more than you” (2007) (dt. Titel: “Zehn Wahrheiten” (2008)) ist im Diogenes Verlag erschienen.

“Pretty Cool People Interview”: Miranda July

Blonde Redhead (Musik)-Video mit Miranda July

Me and You and Everyone We Know - Intro Sequence

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Me and You and Enveryone We Know - Trailer

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Homepage - Tipp

~ von currentcomment am April 7, 2008.

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