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Sixties Revival - Erst Amy, dann Duffy. Can you dig it?

Die Zukunft rast uns jeden Tag entgegen, doch die Haare werden abermals länger und die Lidstriche wieder dicker. Woran liegt es, dass der Look und die Musik der 1960er und ‘70er sich in das neue Jahrtausend rüber retten konnten und seit Jahren durch sämtliche Kultur- und Lifestylelandschaften ziehen? Nur ein Trend?

Vielleicht ist es die Tatsache, dass eine neue Generation (zumindest aber ein großer Teil von einer solchen, sonst könnte sich diese Strömung wohl nur schwerlich halten) der Nostalgie verfallen ist, wie es wohl seit der Romantik nicht mehr der Fall war.

Eine ‘Generation Nirgendwo’ sucht nach einem Stil, in dem sie sich wohlfühlt und verorten kann. Wie so einige andere Subkulturen scheint auch diese Strömung einen festen Platz in einer Welt zu haben, in der sich alles in einem Augenblick verändern kann und in der junge Menschen, die auf der Suche nach Orientierung und Sinnhaftigkeit sind, umherirren. Man hat das Gefühl, dass sich jene Generation, die in einer postmodernen Welt aufgewachsen ist, mehr denn je und inniger damit auseinandersetzen muss, wie sie leben möchte. Welche Lebensentwürfe passen zu einem? Die Nostalgieliebe scheint auf jene Einfluss zu haben, die einen Gegenentwurf zu dieser immer schnelleren und verrückten Welt suchen. Menschen, die nicht nur nach externer Optimierung und zeitlicher Effizienz streben möchten, die sich damit nicht identfizieren können oder wollen und andere Lebensziele suchen. Solche, die wieder in und nach sich suchen möchten und dabei paradoxerweise eigentlich Erkenntnis suchen, die losgelöst ist von unzeitgemäßen Dogmen. Haben sich die Prioritäten einer gesamten Generation verschoben? Wer weiß.

Aber warum interessiert dieser Aspekt dieser Strömung niemanden? Weil es so “uneffizient” zu sein scheint? Die 60er und 70er repräsentieren aus heutiger vielleicht verklärter Sicht eine Zeit des Wandels, in der man noch Ideale haben konnte. Natürlich war das Leben in der Realität nicht zwingend einfacher, aber fragt mal eure Eltern, in der Regel dürften sie anworten, dass man zumindest in so manchem Lebensaspekt etwas unbeschwerter war. Die Zeiten eines uneingeschränkten Idealismus sind wohl vorbei und dieser allein war noch nie gut, aber ohne eine Portion davon wäre die Welt sinnlos, bietet dieser doch Denkanstöße, die implizit Wandel und Weiterentwicklung ungünstiger Verhältnisse hinterfragen. Es ist ein Traum zu glauben, dass diese Zeit durch Musik, die dieser huldigt, zurückkehrt (und mal ehrlich, wollten wir das wirklich?), aber sicherlich bietet sie Raum zum Träumen und Träumen ist doch unsere Hoffnung. Und warum nicht aus der Vergangenheit zehren. Eine Kombination alter und neuer Aspekte und Werte hat noch nie geschadet. Es könnte eine fruchbare Dyade der Generationen daraus erwachsen, wenn man auch diese Entwicklung mal zuließe und nicht in blindem Zukunftseifer nur noch das Morgen sieht. Man kann aus der Geschichte lernen und ohne diese gäbe es viele Erungenschaften ‘unserer’ Zeit nicht.

Mit diesem Revival der Vergangenheit kommt auch eine ganze Strömung in der Musik, die wieder auf diese Zeit zurückblickt und sich ihrer musikalischen Charakteristika annimmt. Zwei weibliche Vertreterinnen aus Großbritannien, die aktuell die Musiklandschaft diesbezüglich deutlich und erfolgreich prägen sind Amy Winehouse und Duffy.

Amy Winehouse mit “You know I’m No Good” (2007)

weiterer Song: Amy Winehouse “Love is a Losing Game” (2006)

Skeptischer, kaputter, viel öffentlicher selbstzerstörerisch, manchmal fast zynisch selbstreflektierend und auf aufrüttelnde Weise provokant – sie sind angepasst an dieses Jahrhundert. Im Gespräch offenbaren diese neuen Künstler häufig ein hohes Maß an Selbstreflexion, in der Performance zeigen sie sich dagegen (zumindest eine ganze Reihe von ihnen) gerne schockierend, schrill und überzeichnet (mehr als ihre Vorläufer), als ein glänzendes Beispiel hierfür kann die englische Band Pink Grease gelten.

Zeitgemäß vereinen sie verschiedene Stile in sich und ihrer Kunst, personifizieren durch ihren individuellen Mix auch Probleme unserer Zeit und spiegeln diese wieder.

Das Beispiel Amy Winehouse ist zwar populär und damit auch reichlich ‘bearbeitet’, dürfte aber dennoch der Erklärung dieses Phänomens dienen. In einem Zeitraum von nur etwa zwei Jahren ist aus dem “netten Mädchen von nebenan” mit einer wahnsinns Stimme eine Frau geworden, die zwar immer noch eine wahnsinns Stimme hat und in ihrer perönlichen Art sicherlich nicht wirklich anders als früher ist, aber der auch Drogenabstürze, damit verbundene Abmagerung, Selbstzerstörung und Drogentenzuge nicht mehr fremd sind. Sie ist ein zeitgemäßes Beispiel dafür wie schnell die Sehnsucht nach mehr und gleichzeitig einer Unzufriedenheit mit sich selbst zum persönlichen Absturz führen können und bleibt währenddessen eine Identifikationsfigur für so manche junge Person, die auch das Gefühl hat verloren gegangen zu sein. Es gibt eine Sehnsucht danach sich auch mal gehen lassen zu dürfen. Eine Zerbrechlichkeit einer ganzen Generation kommt zum Vorschein, wenn man die von ihnen täglich abverlangte Härte mal ausblendet. Ein Hilfeschrei in einer Zeit, die manchmal zu schnell zu sein scheint, um als Normalsterblicher noch hinterher zu kommen, ohne sich selbst auf dem Weg zu verlieren. Vielleicht hat die “Nostalgiewelle” etwas damit zu tun und vielleicht hat sie es auch deshalb in unser neues Jahrhundert geschafft.

Das eingentlich Spannende an dieser Strömung ist, die Neuinterpretation, die innovative Mischung aus alten und neuen Komponenten, vielleicht ist gerade diese Weiterentwicklung auch das Geheimnis, dass es die Einflüsse in die Gegenwart geschafft haben.

Schön zu Träumen bleibt es doch…besonders dank jener Stimmen der Gegenwart, die uns zurücktragen:

Duffy “Rockferry”(2007)

weiterer Song: Duffy “Mercy” (200 8)

Duffy live sehen: am 10. 6. 2008 Postbahnhof Berlin (noch gibt es Karten)

Seht/Hört ihr Ähnlichkeiten? Ein Beispiel…

Nancy Sinatra & Lee Hazlewood “Summer Wine” (1967)

Nancy Sinatra “Bang Bang” (1960s)

Gibt’s auch als Remix… (2007)

~ von currentcomment am April 6, 2008.

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